HORNHAUTVERKRÜMMUNG

Hornhautverkrümmung Hornhautverkrümmung
© Fotograf: VectorMine
Hornhautverkrümmung

Was versteht man unter einer Hornhautverkrümmung?

In der Fachsprache wird eine Hornhautverkrümmung als Astigmatismus bezeichnet, wörtlich übersetzt als „Punktlosigkeit“, was bereits einen Hinweis auf die Auswirkungen auf das Sehvermögen liefert. Das normalsichtige menschliche Auge bündelt die einfallenden Lichtstrahlen so, dass sie auf einen einzelnen Punkt auf der Netzhaut fallen. So entsteht ein scharfes Bild, welches an das Gehirn übertragen wird. Ist die Form der Hornhaut verändert und weicht von ihrer optimalen Krümmung ab, so verändert sich ihre Brechkraft. Horizontal einfallende Lichtstrahlen werden dann, aufgrund der ungleichmäßigen Wölbung, anders gebrochen als vertikal einfallende Lichtstrahlen. Dadurch können die Lichtstrahlen nicht mehr auf einen einzigen Punkt der Netzhaut fokussiert werden. Es entstehen zwei verschiedene Ebenen, in denen die Lichtstrahlen gebrochen werden und somit ein unscharfes Bild.1–3 Ein Punkt wird dadurch nicht als Punkt, sondern als Stab abgebildet. Deshalb wird bei Astigmatismus häufig auch von Stabsichtigkeit gesprochen.

Schätzungen zu Folge sind weltweit ca. 40 % aller Erwachsenen von einem Astigmatismus betroffen. Damit ist die Hornhautverkrümmung der häufigste Brechungsfehler des menschlichen Auges.4

Wie entsteht eine Hornhautverkrümmung?

Einer Hornhautverkrümmung können unterschiedliche Ursachen zu Grunde liegen. Zunächst ist es wichtig zu wissen, dass auch normalsichtige Personen abhängig vom Druck der Augenlider auf den Augapfel, der Pupillendynamik, der Augenrotation, des Tränenfilms und nicht zuletzt des Alters, im Tagesverlauf Variationen einer Hornhautverkrümmung zeigen. Bis zu einer gewissen Ausprägung gilt eine Hornhautverkrümmung als „normal“.5

  • Genetische Faktoren
  • Höhergradige Kurzsichtigkeit (Myopie)
  • Hornhauterkrankung (z.B. Keratokonus)
  • Chirurgische Eingriffe / Verletzungen der Hornhaut

Wie äußert sich eine Hornhautverkrümmung?

Leichte Formen der Hornhautverkrümmung bleiben oftmals unbemerkt. Erst mit zunehmender Ausprägung bemerken die Patienten ein unscharfes oder verschwommenes Sehen. Die Sehverschlechterung wird sowohl in nahen, mittleren und weiten Distanzen gleichermaßen wahrgenommen. In der Folge können Kopf- und Augenschmerzen auftreten.

Wie wird eine Hornhautverkrümmung festgestellt?

Bei Verdacht auf eine Hornhautverkrümmung stehen Ihrem Augenarzt verschiedene Untersuchungsmethoden zur Verfügung:

  • Hornhauttopographie: Dieses bildgebende Verfahren mittels eines sogenannten Keratographen dient der Darstellung und der Analyse der Hornhautoberfläche.2
  • Hornhauttomographie: Dieses bildgebende Verfahren liefert zusätzlich zu Informationen über die Oberfläche der Hornhaut auch Informationen zur Rückfläche und der Hornhautdicke. Dies ermöglicht somit eine genauere Analyse mittels einer dreidimensionalen Darstellung der gesamten Hornhaut.2

Zur Bestimmung der Hornhautverkrümmung erfolgt sowohl ein Stärken- als auch ein Achsabgleich. Dafür stehen folgende Untersuchungsmethoden zur Verfügung:

  • Objektive Refraktion: Beim Blick in den sogenannten Autorefraktometer wird ein Infrarot-Bild auf den Augenhintergrund des Patienten projiziert und gleichzeitig dessen Schärfe gemessen. Ist das Bild nicht scharf, werden nacheinander verschiedene Linsen vorgeschaltet bis ein scharfes Bild gemessen wird.10
  • Subjektive Refraktion: Der Patient richtet seinen Blick auf eine Sehtafel, während der Augenarzt unterschiedliche Korrekturgläser vor das Auge hält. Der Patient gibt an, mit welcher Korrektur er am schärfsten sieht.10 Anschließend erfolgt die Bestimmung der Achslage der Hornhautverkrümmung mittels eines Kreuzzylinders.

Wie kann eine Hornhautverkrümmung behandelt werden?

Ziel der Korrektur einer Hornhautverkrümmung ist es, die beiden Ebenen wieder in einem Punkt zusammen zu bringen. Hierfür stehen unterschiedliche Methoden zur Verfügung.

Sind Brechungsfehler und Winkel der Krümmung bekannt, kann die Fehlsichtigkeit optisch durch eine Sehhilfe korrigiert werden. Notwendig sind hierfür Brillengläser mit Zylinderschliff, sogenannte torische Gläser. Diese Gläser haben in verschiedenen Achslagen verschiedene Wirkungen und sind mit der Abkürzung „cyl“ gekennzeichnet. Ebenso können entsprechend korrigierte (torische) Kontaktlinsen verwendet werden. Bei einer irregulären Hornhautverkrümmung ist ein Ausgleich über formstabile (harte) Kontaktlinsen möglich. Der Tränenfilm gleicht dabei die Ungleichmäßigkeiten zwischen Hornhaut und Kontaktlinse aus.2,3,10

Neben der optischen Korrektur besteht auch die Möglichkeit einer Laser-Behandlung. Dabei kann die fehlerhafte Wölbung der Hornhaut durch Abtragungen an der Augenoberfläche ausgeglichen werden.2

Literaturverzeichnis

  1. Walter P, Plange N. Basiswissen Augenheilkunde. Springer Berlin Heidelberg 2016.
  2. Grehn F. Augenheilkunde. Springer Berlin Heidelberg 2019.
  3. Woltsche N, Werkl P, Posch-Pertl L, Ardjomand N, Frings A. Astigmatismus. Der Ophthalmologe: Zeitschrift der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft 2019; 116: 293-304.
  4. Hashemi H, Fotouhi A, Yekta A, Pakzad R, Ostadimoghaddam H, Khabazkhoob M. Global and regional estimates of prevalence of refractive errors: Systematic review and meta-analysis. Journal of current ophthalmology 2018; 30: 3-22.
  5. Mohammadi S-F, Tahvildari M, Z-Mehrjadi H. Physiology of Astigmatism. InTech, Rijeka.
  6. Sanfilippo PG, Hewitt AW, Hammond CJ, Mackey DA. The Heritability of Ocular Traits. Survey of Ophthalmology 2010; 55: 561-583.
  7. Sanfilippo PG, Hewitt AW, Hammond CJ, Mackey DA. The Heritability of Ocular Traits. Survey of Ophthalmology 2010; 55: 561-583.
  8. Read SA, Collins MJ, Carney LG. A Review of Astigmatism and Its Possible Genesis. Clinical & experimental optometry 2007; 90.
  9. Asimellis G, Kaufman E (Hrsg. 2018). Keratoconus. StatPearls, Treasure Island, 2018.
  10. Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) und Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA). Leitlinie - Empfehlung zur optischen Korrektur von Refraktionsfehlern: Brille 2011: 1-9.

 

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